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Papst Pius XII. und die Juden - Vortrag von Prof. Henrix

Mittwoch, 27.03.2019 19 Uhr St. Josef

Einladung zum Vortrag von Prof. Dr. hc. Hans Hermann Henrix www.henrixhh.de

Gemeindehaus St. Josef, Schmale Str. 18, 58097 Hagen 19 Uhr

Pius XII. glaubte, dass Reden zwar Silber, Helfen aber Gold ist. Und dass die höchste Priorität sein musste, um jeden Preis Menschenleben zu retten:

Als Pius XII. (1939-1958) am 9. Oktober 1958 in Castel Gandolfo verstarb, war sich die Welt einig: Von ihr war einer der ganz Großen des 20. Jahrhunderts gegangen, der Mann, der, wie es die israelische Außenministerin Golda Meir in ihrem Nachruf ausdrückte, „als unser Volk im Jahrzehnt des Naziterrors ein fürchterliches Martyrium erlitt … (seine Stimme erhob), um die Henker zu verurteilen und um Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck zu bringen.“ Zahlreiche andere Vertreter des Judentums pflichteten ihr bei.
Sicher ist: Papst Pius XII. hat zur Schoah nicht geschwiegen. Er hat sie in drei öffentlichen Ansprachen, nämlich am 1. August 1941, am 24. Dezember 1942 und am 2. Juni 1943, angesprochen. In der ersten Ansprache, die der Vatikan-Archivar Dr. Johan Ickx erst in diesem Jahr veröffentlichte, nannte der Papst „die Behandlung, die die Juden erleiden“ einen „großen Skandal“, gegen den er ausdrücklich protestierte: „In Deutschland werden die Juden ermordet und auf brutale Weise misshandelt … Wie kann ein Christ solche Taten hinnehmen.“ In seiner zweiten Ansprache zu Weihnachten 1942 bestätigte er die Erklärung der Alliierten von der Vorwoche, dass „Hunderttausende, ohne eigene Schuld, manchmal nur wegen ihrer Volkszugehörigkeit und Rasse, dem Tod geweiht … sind.“ Das bestätigte er am 2. Juni 1943, als er von „denjenigen“ sprach, „die wegen ihrer Nationalität oder wegen ihrer Rasse von größerem Unheil und schwereren Schmerzen gequält und die manchmal sogar, ohne eigenes Verschulden, zur Ausrottung bestimmt sind.“ Mit diesen drei Erklärungen äußerte sich der Papst dreimal häufiger zur „Endlösung“, als die Alliierten es taten, die es bei ihrer Erklärung vom 17. Dezember 1942 beließen,

So handelte der Papst lieber, statt laut aber nutzlos (und sogar kontraproduktiv) zu protestieren. Mit insgesamt 40 offiziellen diplomatischen Interventionen versuchte er, in Deutschland wie in Hitlers Vasallenstaaten, die Deportationen zu stoppen oder zumindest aufzuschieben, also Sand in das Räderwerk der Tötungsmaschinerie zu streuen. In einigen Fällen war er erfolgreich. Mussolinis Italien (bis Juli 1943), Bulgarien und Rumänien verzichteten ganz auf eine Auslieferung der Juden an die SS-Schergen, in Ungarn, Kroatien und der Slowakei wurden die Deportationen nach einer vatikanischen Demarche oft sogar monatelang ausgesetzt. Zugleich wurden zehntausende Juden mit falschen Ausweisen und Taufscheinen versorgt, in Klöstern versteckt oder aus dem Machtbereich der Deutschen geschmuggelt, um in Übersee und Palästina eine neue Heimat zu finden.
Ganze 960.000 Juden, so weise ich in meinem Buch „Der Papst und der Holocaust“ nach, verdanken dieser Strategie ihr Leben."

(Gekürzter Gastbeitrag von Michael Hesemann)